Wie viel Technik benötigt ein Haus?

Friedensreich Hundertwasser (1928 – 2000) war nicht nur ein visionärer Architekt – er war auch Maler und Ökologe. Seine naturverbundene Architektur steht sinnbildlich für diesen Artikel.

In den letzten Jahrzehnten wurde mit technischen Innovationen die Energiebilanz von Gebäuden stetig verbessert. Mit dem Nullenergiehaus wurde das scheinbare Optimum erreicht. Da moderne Gebäude mit entsprechend umfangreicher Technik ausgestattet sind, hat sich parallel dazu ein «neuer» Denkansatz entwickelt – Low-Tech/No-Tech? In den Hochschulen in der Schweiz und Europa wurde dies zu einem zentralen Forschungsthema. Es stellt sich dabei die Frage, kann ein gutes Raumklima auch mit weniger Technik erreicht werden?

Im letzten «KlimaQuick» wurde mit dem Bericht Dematerialisierung am Bau die graue Energie bei der Herstellung der Produkte für die Gebäudetechnik thematisiert. Mit innovativen Ideen und alternativen Materialien werden Lösungen ge­sucht, wie die graue Energie reduziert werden kann.

Mit dem Ansatz Low-Tech/No-Tech? wird zudem nach Lösungen gesucht, welche es ermöglichen, den Technikeinsatz bei Gebäuden zu reduzieren. Spannende Aussagen vermittelt das Interview mit Prof. Elisabeth Endres, Professorin für Gebäudetechnolo­gie an der Technischen Universität Braunsschweig, mit dem Titel «Low-Tech heisst nicht No-Tech».

Quelle: https://magazin.tu-braunschweig.de/m-post/lowtech-heisst-nicht-no-tech

Aus dem Artikel herausgepickt:

Neue Herstellmethoden: In der Forschung werden Fragestellungen der Effizienz von Baustoffen durch neue Herstellungsmethoden wie 3D-Printing oder die Substitution herkömmlicher Baustoffe durch Lehm, Holz, Bambus und Papier untersucht – Einsatz z.B. bei Gebäudehülle oder auch bei Lüftungskanälen.

Randbedingungen auf Zukunft ausrichten: Die Gebäudetechnik ist immer noch auf das Energiesparen im Winter fokussiert. Parallel überholen uns gerade die krassen Hitzeperioden und die Extremwetterlagen. Der Schatten wird dabei zu einem zu beachtenden Element – natürliche Beschattungen mit Bäumen und Sträucher.

Bewusste Reduktion des Komfortanspruchs: Der Nutzer erwartet heute unabhängig vom Aussenklima immer ein optimales auf seine Bedürfnisse angepasstes Raumklima. Es stellen sich dabei Fragen wie: Sind an sehr kalten Tagen im Winter 19 °C Raumtemperatur genug, wenn mit der Hälfte der Technik 95 % der auftretenden Fälle abgedeckt werden können? Siehe auch «KlimaQuick» 5/2020 (Seite 4, Bericht HSLU). Ist ein Luftzug bei natürlicher Lüftung zumutbar? Wie viel Wohnfläche ist pro Person notwendig?

Fazit von Seite Redaktion ProKlima: Das primäre Ziel der Themen «Dematerialisierung am Bau» und «Low-Tech/No-Tech?» ist nicht neue Materialien oder Techniken zu finden. Vielmehr gilt es die neuen Möglichkeiten der modernen Technik mit Altbewährtem zu kombinieren und so das Optimum für die Energieeffizienz der Gebäude zu finden. Die drohende Energiekrise hilft dabei mit, dass auch die Gesellschaft bereit ist bzw. gezwungen wird, ihren Teil dazu beizutragen.

Den Herstellerfirmen ist zu emp­fehlen, sich diesen Themen anzunehmen und sich bei der Lösungsfindung aktiv einzubringen.

www.proklima.ch